Honig ist eines der am häufigsten verfälschten Lebensmittel der Welt – noch vor Olivenöl und Wein. Untersuchungen europäischer Behörden in den vergangenen Jahren fanden bei einem erheblichen Teil der stichprobenartig geprüften Importhonige Hinweise auf Streckung mit billigem Zuckersirup, meist aus Reis, Mais oder Zuckerrübe. Für Verbraucher ist das kaum zu schmecken – wohl aber, wenn man weiß, worauf man achten muss.
Warum sich Honig überhaupt strecken lässt
Echter Honig ist ein Naturprodukt mit schwankender Zusammensetzung – je nach Trachtpflanze, Wetter und Erntezeitpunkt. Genau diese natürliche Variation macht es Laboren schwer, jede Verfälschung zweifelsfrei nachzuweisen, und Panschern leicht, unter dem Radar zu bleiben. Am zuverlässigsten lassen sich Zuckersirup-Beimischungen bislang mit hochauflösender NMR-Spektroskopie und Isotopenanalyse nachweisen – Verfahren, die sich kein Supermarkt und kaum ein kleiner Importeur leisten kann oder leisten will.
5 Warnzeichen beim Kauf
1. Der Preis. Reiner Honig hat einen Mindestpreis, der sich aus Erntemenge pro Bienenvolk und Arbeitsaufwand ergibt. Ein Kilogramm Honig für drei oder vier Euro ist bei den aktuellen Erzeugerpreisen kaum realistisch – hier lohnt ein zweiter Blick auf die Herkunftsangabe.
2. Die Herkunftsangabe „EU- und Nicht-EU-Länder". Diese Sammelbezeichnung ist in der EU legal, verschleiert aber, aus welchem Land der Honig tatsächlich stammt und macht Rückverfolgung praktisch unmöglich. Seriöse Anbieter nennen Land und im Idealfall die Region oder den Imker beim Namen.
3. Eine Konsistenz, die sich nie verändert. Echter, unbehandelter Honig kristallisiert mit der Zeit – wie stark und wie schnell hängt von der Sorte ab (mehr dazu in „Warum kristallisiert Honig?"). Bleibt ein Honig über Jahre hinweg perfekt klar und flüssig, wurde er entweder stark erhitzt oder enthält Zusätze, die die Kristallisation unterdrücken.
4. Fehlende Rückverfolgbarkeit. Kann der Anbieter nicht sagen, von welchem Imker oder welcher Region der Honig stammt, ist das ein Warnsignal – unabhängig vom Preis.
5. Ein Geschmack ohne Ecken und Kanten. Verfälschter Honig schmeckt oft auffällig neutral-süß, ohne die floralen, würzigen oder malzigen Nuancen, die unterschiedliche Honigsorten eigentlich mitbringen.
Was echten, unverfälschten Honig auszeichnet
Die zuverlässigste Antwort auf gepanschten Honig ist Transparenz: ein Anbieter, der weiß und offenlegt, aus welchem Bienenvolk, welcher Region und welcher Ernte ein Glas stammt. Das lässt sich nicht so leicht fälschen wie ein Etikett. Was einen wirklich guten Honig darüber hinaus ausmacht, erklären wir ausführlich in „Was macht einen guten Honig aus?".
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